BDS - Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V.

BDS - Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen


Pressespiegel der Bezirksvereinigung Frankfurt am Main im BDS

60 Jahre Hessen - Festakt in Wiesbaden

Meldung vom 1.12.2006 zu "Sechzig Jahre hessische Verfassung"

Verabschiedung des Ehrenvorsitzenden Hans Bergmann

Frankfurt am Main, 27.04.2006

  

vom 28.04.2006

 33 Jahre lang hat sich Hans Bergmann als Streitschlichter und Seelsorger bewährt

 Der Mann für alle Fälle geht

 Von Kathrin Jansen

33 Jahre lang hat Hans Bergmann Nachbarschaftsstreitigkeiten geschlichtet, Familienkonflikte gelöst und Menschen in schweren Stunden ein offenes Ohr geliehen. Gestern wurde der Schiedsmann für Sachsenhausen und Oberrad im Römer verabschiedet. Im Alter von 77 Jahren gibt er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen ab. Als Anerkennung für seine Leistungen als Streitschlichter erhielt er von Rainer Schwing, Leiter des Hauptamtes, eine Kiste Wein und ein Dankschreiben der Oberbürgermeisterin. „Für die vielen Jahre, die Sie uns treue Dienste geleistet haben, ist das nicht viel“, betonte Schwing.

 Doch Herr Bergmann nahm die Aufmerksamkeiten gerne entgegen. Schließlich war ihm das Amt immer Belohnung genug für die Anstrengungen. „Dass wir irgendwann aufhören müssen, ist klar. Ich hätte mir aber einen anderen Abgang gewünscht“, sagte der gelernte Industriekaufmann etwas wehmütig. Er sei aber sehr dankbar, dass er diese Tätigkeit so lange ausüben durfte.Schließlich war die Zeit als Schiedsmann auch eine aufregende. „Wenn es dringend war, haben die Menschen auch mitten in der Nacht bei uns angerufen“, erinnert sich Ehefrau Renate. Dabei musste es nicht mal um Streitfälle oder Beleidigungen gehen. Oft war Hans Bergmann nämlich weniger Schiedsmann als Seelsorger. Dabei handelt es sich um die Fälle, die ihm am lebendigsten im Gedächtnis geblieben sind. Wie zum Beispiel das Schicksal eines Friseurs. „Der junge Mann hat an Heiligabend nicht nur seine Arbeitsstelle, sondern auch seine Geliebte verloren.“ Sie sei gleichzeitig seine Chefin gewesen und habe ihn verprügeln lassen. Klingt ein wenig wie aus einer Seifenoper. Doch genau diese Geschichte bekam Hans Bergmann am Telefon erzählt. „Der Mann konnte einfach nicht mehr, wollte sich nur noch das Leben nehmen.“ Eine Stunde hat er damals mit ihm geredet und den Hilfesuchenden so von seinem Vorhaben abbringen können. „Wenn ich in einem so komplizierten Fall Erfolg hatte, hat mir das immer viel Freude beschert“, erinnert sich der Rentner. Doch nicht nur seelischen Beistand, sondern auch ganz praktische Hilfe konnte er in den vergangenen 33 Jahren leisten.Einer jungen Türkin vermittelte er einen Platz im Frauenhaus, nachdem ihr Verlobter sie kurz vor der Hochzeit verstieß. „Bei dieser Tätigkeit habe ich auch eine Menge über andere Kulturen erfahren.“ Dieser jungen Frau sei der Lebensweg einfach abgeschnitten worden. „Für einen neuen Mann hätte sie ja unberührt sein müssen.“ Regeln, die Herr Bergmann nicht nachvollziehen kann. Doch sobald er den Menschen helfen konnte, ließ sich auch das Leid besser ertragen. Bei manchen Klienten lösten sich die Probleme durch das Zutun des Schiedsmannes sogar in Wohlgefallen auf. So brachte er einen prügelnden Ehemann allein mit Gesprächen wieder zur Vernunft.Nur an einen Fall kann sich der 77-Jährige erinnern, bei dem er kapituliert hat. Ein Vater, der seinen Sohn nach einer Operation an den Mandeln verloren hatte, wollte sich an dem verantwortlichen Arzt rächen. „Er hat den Mediziner verfolgt und ihm das Auto demoliert.“ Da halfen Worte nicht mehr. „Ich habe den Fall dann ans Gericht weitergegeben. Wie die Geschichte ausgegangen ist, weiß ich nicht.“Andere Mandanten hingegen hat Herr Bergmann immer wieder gesehen. „Als ich meine Sprechstunde noch im Polizeirevier von Oberrad abgehalten habe, legte mir ein Mann mal eine tote Taube auf den Tisch.“ Er war der Überzeugung, seine Nachbarin habe ihre Katzen auf seine Vögel abgerichtet. Jegliche Vermittlungsversuche von Herrn Bergmann scheiterten. „Nach zahlreichen, vergeblichen Gesprächen habe ich dem Mann gesagt, dass ich ihn nicht mehr berate“, erinnert sich der scheidende Schiedsmann und muss heute dabei schmunzeln. Der Abschied fällt ihm sichtlich schwer. Und so ganz kann er auch nicht gehen. Seine Nachfolgerin Monika Hilkert-Hübner im Vorsitz der Bezirksvereinigung des „Bundes deutscher Schiedsmänner und -frauen“, ein Amt, das Hans Bergmann ebenfalls lange innehatte, ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden. An den Treffen wird er also auch weiterhin teilnehmen.

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